„Wir gaben ihr die letzte Schwimmweste“: Familie aus Toljatti nach dem Untergang der Filo Jet vor der Küste Nordzyperns vermisst
Die 36-jährige Julia Özcan aus Toljatti im russischen Gebiet Samara und ihr Ehemann Ayhan gelten nach dem Untergang der Filo Jet vor der Küste Nordzyperns weiterhin als vermisst. Zum Zeitpunkt der Tragödie befand sich das Ehepaar gemeinsam mit seiner 8-jährigen Tochter an Bord. Das Mädchen konnte gerettet werden, seine Eltern werden jedoch bis heute vermisst.
Julia wurde in Toljatti geboren. Vor ihrem Umzug in die Türkei arbeitete sie in ihrer Heimatstadt im Bildungsbereich, unter anderem in einem Sprachzentrum. Später zog sie gemeinsam mit ihrem Mann nach Ankara, wo sie weiterhin als Englischlehrerin an einer Privatschule arbeitete. Ayhan ist türkischer Staatsbürger.
Die Familie war für ein Wochenende nach Nordzypern gekommen. Nach Angaben von Angehörigen sollte es ein gewöhnlicher Familienausflug werden. Niemand ahnte, dass das 8-jährige Mädchen danach ohne seine Eltern zurückbleiben würde.
„Ihre Tochter stand für sie immer an erster Stelle“
Über die letzten Minuten der Familie berichtete Journalisten Julias Mutter Ludmila, die ebenfalls als Lehrerin arbeitet. Ihren Angaben zufolge gab es während des Notfalls nicht genügend Schwimmwesten für alle Familienmitglieder.
Ludmila vermutet, dass die Eltern es schafften, der Tochter die letzte verfügbare Schwimmweste anzulegen und damit faktisch ihre eigenen Überlebenschancen opferten.
„Wir gaben ihr die letzte Schwimmweste“, sagte Julias Mutter.
Auch andere regionale Quellen zitieren Ludmila mit der Aussage, dass die Ehepartner vor allem versucht hätten, ihr Kind zu retten. Die genauen Umstände, unter denen die Familie ins Wasser geriet, und wer welches Rettungsmittel benutzte, sind bislang jedoch nicht offiziell geklärt. Daher kann die Version der Angehörigen nicht als endgültig bestätigt gelten.
Nach ihrer Rettung wurde das Mädchen zu Verwandten in die Türkei gebracht. Ihr Zustand gibt nach Angaben russischer Diplomaten keinen Anlass zur Sorge.
Das Mädchen wartet auf seine Eltern
Für die Familie bleibt die Situation des Kindes besonders schwer. Nach Angaben der Großmutter wurde dem Mädchen bislang nicht mitgeteilt, dass seine Eltern als vermisst gelten. Es wartet weiterhin auf die Rückkehr von Mutter und Vater.
Die Angehörigen berichten, dass das Kind das Geschehene noch nicht vollständig begreift. Nach dem Erlebten befindet sich das Mädchen bei seinen Verwandten, die versuchen, es vor unnötigen Informationen zu schützen und ihm ein Gefühl der Sicherheit zu bewahren.
„Die Kleine wartet immer noch auf ihre Mama und ihren Papa“, sagte Ludmila.
Nach Angaben der Frau hofft die Familie bis zuletzt auf Nachrichten über Julia und Ayhan. Zugleich räumt sie ein, dass es mit jedem Tag schwieriger wird, die Hoffnung aufrechtzuerhalten.
„Ich bete dafür, dass sie sie finden“, zitieren regionale Medien Julias Mutter.
Die Familie wartet weiter
Die russische Botschaft in der Türkei bestätigte, dass Julia zu den Vermissten gehört. Zunächst waren Informationen über den möglichen Tod der Russin aufgetaucht, später wurde ihr Status jedoch präzisiert: Die Frau gilt offiziell als vermisst.
Für die Angehörigen ist derzeit vor allem wichtig, verlässliche Informationen über das Schicksal von Julia und ihrem Mann zu erhalten. Die Suche geht weiter, während die Familie die Ergebnisse der Rettungsarbeiten und die Aufklärung der Umstände des Geschehens erwartet.
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