Verbotene Inhalte: Türkische OnlyFans-Models riskieren bis zu 10 Jahre Haft
In der Türkei braut sich einer der aufsehenerregendsten Gerichtsprozesse der vergangenen Jahre im Bereich sozialer Netzwerke und Online-Inhalte zusammen. Gleich 27 Content-Creator, die mit der Plattform OnlyFans in Verbindung stehen, sehen sich nach dem Abschluss einer groß angelegten Ermittlung durch die Staatsanwaltschaft Istanbul und der Überweisung des Falls an das Gericht mit langen Haftstrafen konfrontiert. Türkischen Medien zufolge drohen jedem der Beschuldigten bis zu 10 Jahre Freiheitsentzug.
Die Ermittlungen begannen vor einigen Monaten, nachdem die Strafverfolgungsbehörden Informationen erhalten hatten, dass türkische Nutzer OnlyFans weiterhin verwenden, obwohl die Plattform im Land offiziell verboten ist. Der Dienst wurde in der Türkei bereits 2023 per Gerichtsbeschluss blockiert, weil die dort veröffentlichten Inhalte als unvereinbar mit der öffentlichen Moral und den traditionellen Familienwerten eingestuft wurden.
Großangelegte Razzien im ganzen Land
Im Februar dieses Jahres führte die Polizei gleichzeitig Razzien in mehreren türkischen Provinzen durch. Im Zuge der Operation wurden Dutzende Verdächtige festgenommen und Vermögenswerte im Wert von Hunderten Millionen türkischer Lira beschlagnahmt. Die Ermittler behaupten, die Beschuldigten hätten mit der Veröffentlichung freizügiger Inhalte Geld verdient und ihre Abonnenten auf kostenpflichtige Plattformen, darunter OnlyFans und geschlossene Kanäle in Messengern, weitergeleitet.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden Vermögenswerte im Gesamtwert von rund 300 Millionen türkischen Lira beschlagnahmt oder eingefroren. Zu dem sichergestellten Eigentum gehören Immobilien, Autos, Bankkonten sowie Investitionen in Gold und Kryptowährungen.
Wer im Zentrum der Ermittlungen steht
Zu den bekanntesten Beschuldigten zählen die türkischen Influencer Gizem Bagdachiczek, Merve Taşkın und Burçin Erol. Einige der Verdächtigen befanden sich zum Zeitpunkt der Operation außerhalb des Landes, weshalb sie nicht festgenommen wurden.
Die Staatsanwälte behaupten, die Beschuldigten hätten nicht nur Materialien veröffentlicht, die nach türkischem Recht als obszön eingestuft werden könnten, sondern trotz des geltenden Plattformverbots auch erhebliche Einnahmen aus dieser Tätigkeit erzielt. Das Anklageschreiben wurde inzwischen vom Gericht angenommen, und in naher Zukunft werden die ersten Anhörungen erwartet.
Der Streit um Freiheit und Moral
Der Fall hat in der Türkei bereits für breite öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt. Befürworter harter Maßnahmen sind der Ansicht, dass solche Plattformen die traditionellen Werte der Gesellschaft untergraben, und fordern eine weitere Verschärfung der Kontrolle über Internetinhalte.
Gleichzeitig erklären Menschenrechtsverteidiger und ein Teil der Öffentlichkeit, dass die Verfolgung erwachsener Menschen wegen der Erstellung und des Verkaufs legaler Inhalte ernste Fragen zur Meinungsfreiheit und zu den Grenzen staatlicher Eingriffe in das Privatleben der Bürger aufwerfe.
Wie es weitergeht
Wenn das Gericht die Beschuldigten in allen Anklagepunkten für schuldig befindet, könnten einigen von ihnen tatsächlich mehrjährige Haftstrafen drohen. Vorläufig laufen die Ermittlungen weiter, und die endgültige Entscheidung liegt bei der türkischen Justiz.
Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass der Ausgang dieses Verfahrens einen wichtigen Präzedenzfall für die gesamte Türkei schaffen und die weitere Politik der Behörden in Bezug auf digitale Plattformen, kostenpflichtige Inhalte und die Tätigkeit von Internet-Influencern bestimmen könnte.
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