Lempa bei Paphos: antike Siedlung, Keramik und Künstlerdorf
Lempa liegt nur wenige Kilometer von Paphos entfernt, doch in diesem kleinen Dorf treffen überraschend ganz unterschiedliche Epochen aufeinander. Hier wurde eine mehr als fünftausend Jahre alte Siedlung ausgegraben und die berühmte Lady of Lemba gefunden; im Mittelalter waren Werkstätten für glasierte Keramik in Betrieb, und im 20. Jahrhundert entstanden die Kunstschule von Stass Paraskos und die ungewöhnliche Great Wall of Lempa. 2026 wurde die Geschichte fortgeschrieben: Für das neue Cultural Village of Lempa wurde offiziell eine Trägerorganisation bestimmt, die hier Werkstätten, Künstlerresidenzen und Kulturprogramme entwickeln soll.
- Was Lempa interessant macht
- Die prähistorische Siedlung von Lempa
- Lady of Lemba
- Mittelalterliche Keramik aus Lempa
- Great Wall of Lempa
- Stass Paraskos und die Kunstgeschichte des Dorfes
- Cultural Village of Lempa
- Tal und natürliche Quellen
- Die Küste von Lempa
- So gestalten Sie einen Spaziergang durch Lempa
- Häufig gestellte Fragen
Was Lempa interessant macht
Lempa, auch Lemba, liegt etwa 4 km nördlich von Paphos. Auf den ersten Blick ist es ein gewöhnliches kleines Dorf auf einer Anhöhe über der Küste, doch seine Geschichte beginnt lange vor der Entstehung des heutigen Paphos.
Die Menschen zog vor allem die günstige Lage zwischen zwei Tälern und das Vorhandensein natürlicher Quellen hierher. Das Wasser ermöglichte es, bereits in der Antike hier zu leben und Landwirtschaft zu betreiben, und förderte viel später die Entwicklung des Handwerks.
Deshalb betrachtet man Lempa am besten nicht als Dorf mit nur einer Sehenswürdigkeit, sondern als kleine Reise durch mehrere Epochen: chalkolithische Siedlung → mittelalterliche Keramik → Kunst des 20. Jahrhunderts → modernes Kulturdorf.
Die prähistorische Siedlung von Lempa
Das historisch bedeutendste Objekt des Dorfes ist Lempa Prehistoric Settlement, auch Lempa-Lakkous. Bei archäologischen Ausgrabungen wurde hier eine bedeutende Siedlung aus der Chalkolithik entdeckt, die etwa von 3900 bis 2500 v. Chr. bestand.
Das heißt, dass Menschen an diesem Ort bereits vor mehr als fünftausend Jahren lebten.
Die Siedlung bestand aus Rundhäusern. Sie wurden aus verfügbaren natürlichen Materialien gebaut, und die Bewohner betrieben Landwirtschaft und Viehzucht und widmeten sich dem Handwerk.
Heute sind auf dem archäologischen Gelände fünf rekonstruierte Häuser aus der Chalkolithik zu sehen. Sie wurden mit Materialien und Bautechniken errichtet, die denen, welche die antiken Bewohner von Lempa verwendet haben könnten, möglichst nahekommen.
Das macht das Gelände besonders interessant: Statt nur Fundamente zu sehen, können Besucher sich hier ein echtes prähistorisches Haus in seiner ganzen Größe vorstellen.
Standort
Lady of Lemba

Der berühmteste archäologische Fund des Dorfes erhielt den Namen Lady of Lemba — „Dame von Lempa“.
Die Figur wurde hier 1976 entdeckt. Sie ist aus Kalkstein gefertigt, etwa 32 cm hoch und wird ungefähr auf das 3. Jahrtausend v. Chr. datiert.
Die Lady of Lemba zählt zu den charakteristischsten Werken der chalkolithischen Kunst Zyperns. Die weibliche Figur mit ihren betonten Formen wird üblicherweise im Zusammenhang mit den Vorstellungen der antiken Bewohner der Insel von Fruchtbarkeit und Geburt betrachtet.
Die Originalfigur wird im Cyprus Museum in Nikosia aufbewahrt. In Lempa selbst ist es interessant, den Fundort und den umgebenden archäologischen Kontext zu sehen.
Mittelalterliche Keramik aus Lempa
Einige Jahrtausende später wurde Lempa dank seines Handwerks erneut bekannt. Im Mittelalter entwickelte sich das Dorf zu einem wichtigen Zentrum für die Herstellung glasierter Keramik.
Nach Angaben der Gemeinde war Lempa im 13. und 14. Jahrhundert eines der ersten bedeutenden Zentren für die Herstellung und den Export solcher Keramik auf Zypern. Später wurde diese Tradition auch von anderen Zentren der Insel fortgeführt.
Archäologen entdeckten zahlreiche Erzeugnisse und Spuren der Töpferproduktion; Objekte aus den Werkstätten von Lempa sind heute in Museumssammlungen vertreten.
Die Entwicklung des Handwerks wurde auch durch die natürlichen Bedingungen vor Ort begünstigt, darunter die ganzjährig verfügbaren Wasserquellen in den Tälern rund um das Dorf.
Deshalb ist die Verbindung des heutigen Lempa mit der Kunst besonders interessant: Lange bevor die Kunstschule entstand, gab es hier bereits eine eigene Kultur der handwerklichen Produktion.
Great Wall of Lempa

Die ungewöhnlichste moderne Sehenswürdigkeit des Dorfes ist die Great Wall of Lempa, die auch Artistic Wall of Lempa genannt wird.
Es handelt sich nicht um eine historische Festungsmauer. Vor uns liegt eine große gemeinschaftliche Kunstinstallation und ein Skulpturengarten, die rund um die von dem zyprischen Künstler Stass Paraskos gegründete Kunstschule entstanden sind.
Die Mauer wurde nach und nach von Paraskos selbst und von Künstlern geschaffen, die nach Lempa kamen. Sie besteht aus Zement, Stein, Keramik, Mosaiken, Fundstücken und skulpturalen Elementen. Aus der Gesamtmasse tauchen unvermittelt Gesichter, Hände, Tiere und fantastische Figuren auf.
Deshalb sollte man die Great Wall nicht wie ein gewöhnliches Denkmal betrachten, das man einfach von einem einzigen Standpunkt aus fotografiert. Interessanter ist es, an ihr entlangzugehen und einzelne Details zu entdecken.
Standort
Stass Paraskos und die Kunstgeschichte des Dorfes
Die moderne Kunstgeschichte von Lempa ist mit Stass Paraskos verbunden, einem der bedeutenden zyprischen Künstler des 20. Jahrhunderts.
1969 gründete er eine Kunstschule, die später als Cyprus College of Art bekannt wurde. Nach den Ereignissen von 1974 ließ sich die Schule schließlich in der Region Paphos nieder, und Lempa wurde zu ihrem wichtigsten kreativen Wirkungsort.
Künstler und Studierende aus verschiedenen Ländern kamen hierher, arbeiteten in den Werkstätten und hinterließen eigene Werke. In diesem Umfeld entstanden der Skulpturengarten und die Great Wall of Lempa.
Stass Paraskos starb 2014, doch das künstlerische Umfeld, das sich um ihn herum entwickelt hatte, spielte eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung des Dorfes.
Cultural Village of Lempa
2008 beschloss der Ministerrat der Republik Zypern, Lempa als Kulturdorf zu entwickeln. Eine der Voraussetzungen dafür war das bereits bestehende künstlerische Umfeld von Stass Paraskos.
Das Projekt war deutlich umfangreicher als eine einfache Renovierung alter Werkstätten. Der Staat errichtete einen neuen Komplex mit einer Fläche von etwa 1 861 m², der Räume für kreatives Arbeiten und den Aufenthalt von Künstlern umfasst.
Der Komplex ist in zwei Bereiche unterteilt. Im „Kreativdorf“ sind zwei große Malateliers, zwei Keramikwerkstätten, fünf Künstlerateliers, eine Bibliothek sowie Verwaltungs- und Nebenräume vorgesehen.
Der zweite Bereich ist für die Unterbringung bestimmt: Hier wurden 35 Plätze geschaffen — 16 Zweibett- und drei Einzelzimmer sowie Räume für die Verpflegung.
Die Bauarbeiten wurden im Wesentlichen 2024 abgeschlossen, die endgültige Abnahme des Projekts erfolgte im Januar 2025.
Die wichtigste Neuerung kam erst 2026. Am 9. Juli 2026 unterzeichnete das stellvertretende Ministerium für Kultur der Republik Zypern mit der Organisation Technourgeio Ltd, die den entsprechenden Wettbewerb gewonnen hatte, eine Vereinbarung über die Verwaltung und den Betrieb des Cultural Village of Lempa.
Damit befindet sich Lempa nun in einer neuen Phase seiner Kunstgeschichte: Anstelle des früheren Modells eines einzelnen privaten Kunstkollegs entsteht ein moderner Kulturort mit Werkstätten, Bildungsprogrammen und Künstlerresidenzen.
Wenn Sie gezielt die Werkstätten besuchen oder an einer bestimmten Kulturveranstaltung teilnehmen möchten, sollten Sie das aktuelle Programm vor Ihrem Besuch überprüfen. Die Great Wall hingegen ist als eigenständiger Teil des künstlerischen Erbes des Dorfes zu betrachten.
Standort
Tal und natürliche Quellen

Nach Archäologie und Kunst lohnt sich auch ein Blick auf die Landschaft von Lempa. Das Dorf liegt zwischen grünen Tälern, in denen sich natürliche Quellen befinden.
Die Gemeinde entwickelt einen großen Park entlang des Flussbetts des Taisi sowie Spazierwege. Dank des Wassers wirkt diese Gegend deutlich grüner als viele andere Küstenabschnitte der Region Paphos.
In gewisser Weise verbinden die Quellen die gesamte Geschichte von Lempa: Sie ermöglichten die Entstehung der antiken Siedlung, förderten später die Entwicklung des Handwerks und prägen bis heute den Charakter der örtlichen Landschaft.
Standort
Die Küste von Lempa
Das Gebiet der Gemeinde reicht bis zum Meer hinunter. Hier befindet sich der kleine Kotzia Beach, um dessen Entwicklung sich der Gemeinderat kümmert.
Es ist kein großer, gut erschlossener Ferienstrand von Paphos, sondern eher ein zusätzlicher Zwischenstopp für alle, die ohnehin die Gegend erkunden. In früheren Saisons gab es hier eine kleine Snackbar und Rettungsschwimmer waren im Dienst.
Die Bedingungen an kleinen Stränden können sich je nach Saison ändern. Deshalb lohnt es sich nicht, ausschließlich wegen der Strandinfrastruktur hierherzufahren.
Standort
So gestalten Sie einen Spaziergang durch Lempa
Ich würde mit der Great Wall of Lempa beginnen. Sie ist das ungewöhnlichste visuelle Wahrzeichen des Dorfes und ein guter Einstieg in seine moderne Kunstgeschichte.
Anschließend lohnt sich ein Besuch des wichtigsten historischen Ortes — der Lempa Prehistoric Settlement. Anhand der rekonstruierten Rundhäuser lässt sich ein ganz anderes Lempa kennenlernen, das hier bereits vor mehr als fünftausend Jahren existierte.
Danach können Sie durch das Dorf spazieren und die Gegend des modernen Cultural Village of Lempa erkunden, das die künstlerische Tradition in einem neuen Format fortführen soll.
Wenn Sie länger bleiben möchten, können Sie den Spaziergang bis zum grünen Tal und den natürlichen Quellen fortsetzen.
Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sollten Sie etwa 2–3 Stunden einplanen. Lempa ist besonders praktisch, weil es ganz in der Nähe von Paphos liegt und keine separate Ganztagestour erfordert.
Häufig gestellte Fragen
Wo liegt Lempa?
Lempa liegt etwa 4 km nördlich von Paphos. In Navigationssystemen finden sich die Schreibweisen Lempa und Lemba.
Was sollte man in Lempa unbedingt sehen?
Historisch am bedeutendsten ist die chalkolithische Siedlung Lempa Prehistoric Settlement. Unter den modernen Sehenswürdigkeiten ist besonders die Great Wall of Lempa interessant, die mit der Kunstschule von Stass Paraskos verbunden ist.
Was ist die Great Wall of Lempa?
Es handelt sich um eine große gemeinschaftliche Kunstinstallation und einen Skulpturengarten, die von Stass Paraskos und anderen Künstlern geschaffen wurden. Die Mauer hat nichts mit Befestigungsanlagen zu tun.
Ist das Cyprus College of Art noch in Betrieb?
Das frühere Cyprus College of Art spielte eine Schlüsselrolle in der Kunstgeschichte von Lempa. Heute wird die kulturelle Infrastruktur des Gebiets jedoch im Rahmen des neuen Cultural Village of Lempa entwickelt. Daher sollte man den Besuch nicht als Besuch eines gewöhnlichen, aktiven Colleges planen.
Was geschieht derzeit mit dem Cultural Village of Lempa?
Der neue staatliche Komplex wurde errichtet und abgenommen. Im Juli 2026 wurde eine Vereinbarung mit der Trägerorganisation Technourgeio Ltd unterzeichnet. Das Projekt sieht Kunst- und Keramikwerkstätten, Ateliers, eine Bibliothek, Bildungsprogramme und Unterkünfte für Künstler vor.
Wann bestand die antike Siedlung von Lempa?
Die archäologische Stätte stammt aus der Chalkolithik und wird ungefähr auf den Zeitraum von 3900 bis 2500 v. Chr. datiert.
Was ist die Lady of Lemba?
Es handelt sich um eine berühmte weibliche Kalksteinfigur aus der Chalkolithik, etwa 32 cm hoch, die 1976 in Lempa entdeckt wurde. Das Original wird im Cyprus Museum in Nikosia aufbewahrt.
Warum ist Lempa mit Keramik verbunden?
Keramik wurde hier bereits in prähistorischer Zeit hergestellt, und im 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich Lempa zu einem wichtigen Zentrum für die Herstellung und den Export glasierter Keramik auf Zypern. Auch im modernen Cultural Village sind Keramikwerkstätten vorgesehen.
Wie viel Zeit sollte man für den Besuch einplanen?
Für die Great Wall, die archäologische Stätte und einen Spaziergang durch das Dorf sollten Sie etwa 2–3 Stunden einplanen. Wenn im Cultural Village eine Ausstellung, ein Workshop oder eine andere Veranstaltung stattfindet, kann der Besuch länger dauern.
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