Luxusautos zum Preis eines Fahrrads: Auf Zypern wurde ein millionenschweres System mit Fahrzeugen aus Großbritannien aufgedeckt
Tausende Fahrzeuge, fingierte Dokumente, Millionen an entgangenen Steuereinnahmen und Ermittlungen unter Beteiligung der Europäischen Staatsanwaltschaft. Der zyprische Zoll geht davon aus, dass der Gebrauchtwagenmarkt jahrelang nach einem intransparenten System funktioniert hat.
Millionen Euro gingen am Staatshaushalt vorbei
Auf Zypern wird eines der größten Systeme auf dem Gebrauchtwagenmarkt untersucht. Die Zollbehörde prüft die Einfuhr von Fahrzeugen aus Großbritannien über die Niederlande und Bulgarien, die den Staat nach vorläufigen Schätzungen Millionen Euro gekostet haben könnte.
Bereits mehr als tausend Fahrzeuge werden überprüft. Die Ermittler gehen davon aus, dass bei ihrer Abfertigung systematisch der Zollwert zu niedrig angesetzt wurde, wodurch sich erheblich bei Zöllen und Steuern sparen ließ. In Dutzenden und möglicherweise sogar in mehr als hundert Fällen wurden gefälschte oder veränderte Dokumente festgestellt.
Die Ermittlungen wurden am 4. August bekannt. Beteiligt sind die Zollbehörden der Niederlande und Bulgariens, die Europäische Staatsanwaltschaft und OLAF — das Amt der EU für Betrugsbekämpfung.
So funktionierte das System
Seit dem Brexit werden Fahrzeuge aus Großbritannien wie Importe aus einem Drittstaat mit Zöllen belegt. Nach Darstellung der Ermittler wurden die Fahrzeuge jedoch zunächst in die Niederlande eingeführt, wo sie zu einem künstlich niedrig angesetzten Wert verzollt wurden. Anschließend wurden die Autos nach Bulgarien weitergeleitet, mit europäischen Dokumenten versehen und danach als EU-Waren nach Zypern eingeführt.
Genau deshalb erwiesen sich die Ermittlungen als schwierig: Auf Zypern können die Zölle nicht erneut erhoben werden, und der mögliche Verstoß ereignete sich rechtlich im ersten Einreiseland in die Europäische Union. Zudem teilten die Behörden dieser Länder mit, dass die Abfertigung nach ihren Verfahren erfolgt sei.
Selbst ein Fahrrad ist teurer
Nach Angaben des leitenden Zollinspektors Georgios Konstantinou wirkten einige Beträge in den Zollanmeldungen absurd niedrig.
«Das sind Preise, für die man heute nicht einmal ein Fahrrad kaufen kann», erklärte er.
Nach Angaben des Zolls wurden repräsentative Limousinen und Geländewagen mitunter mit nur einem Fünftel, in einzelnen Fällen sogar mit einem Zwanzigstel ihres tatsächlichen Wertes angesetzt.
Unter Verdacht stehen — nicht nur die Steuern
Der Zoll prüft außerdem, ob das System genutzt wurde, um das zyprische Einfuhrverbot für Gebrauchtwagen aus Drittstaaten zu umgehen, die älter als fünf Jahre sind.
Nach der Zulassung in Bulgarien galten solche Fahrzeuge formal als Autos aus einem EU-Land und konnten ungehindert auf den zyprischen Markt gelangen.
Was mit dem Markt passieren wird
Nach Einschätzung des Zolls ermöglicht die Umgehung der Zollzahlungen, Fahrzeuge deutlich günstiger zu verkaufen, als dies offizielle Importeure können, wodurch ein unfairer Wettbewerb entsteht.
Die Überprüfungen haben bereits zu Verzögerungen bei der Abfertigung von Fahrzeugen um zwei bis drei Monate geführt. Großbritannien bleibt unterdessen einer der wichtigsten Lieferanten von Gebrauchtwagen nach Zypern.
Sollten sich die Verdachtsmomente bestätigen, könnte die Untersuchung zu einem der größten Fälle von Zollbetrug in der Geschichte der Insel werden.
Sie könnten auch interessiert sein an:
- In Protaras ist ein 7-jähriges Mädchen nach einem Zusammenstoß auf dem Wasser in schwerem Zustand
- Zypern zählt zu den besten Orten für Rentner
- In Larnaka wurde der erneuerte Pattichio-Park eröffnet
- Die EU ändert die Spielregeln: Ein altes Auto ist nicht mehr nur Schrott
- In Protaras brannten Quads und Buggys: Polizei vermutet Brandstiftung


Kommentare (0)