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Hamas auf Zypern: ein Warnsignal für die Insel, die sich als sicherer Hafen verstand

10.06.2026 / 09:42
Nachrichtenkategorie

Zypern stand wieder einmal auf den Titelseiten der internationalen Medien. Doch diesmal nicht wegen Tourismus, Investitionen oder Geopolitik. Es geht um einen Fall, der eher an das Drehbuch eines Spionagethrillers erinnert: geheime Treffen, Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff, mutmaßliche Verbindungen zur Hamas, Ausbildung in einem Ausbildungslager von Kämpfern in Malaysia und eine internationale Spezialoperation mehrerer Staaten zugleich.

In den vergangenen Wochen hat die zyprische Polizei vier Palästinenser wegen des Verdachts auf Beteiligung an terroristischen Aktivitäten festgenommen. Kurz darauf kam ein weiterer Fall hinzu: Auf der griechischen Insel Kreta wurde ein 37-jähriger Mann festgenommen, den die Ermittler mit demselben Netzwerk in Verbindung bringen.

Sollten sich die Verdachtsmomente bestätigen, könnte es sich um die schwerwiegendste auf Zypern festgestellte Terrorbedrohung seit vielen Jahren handeln.

Sprengstoff am Meer

Die Ermittlungen begannen mit der Entdeckung chemischer Stoffe in zwei Immobilien in der Gegend von Governor's Beach und Kamares in Larnaka. Die Ermittler behaupten, die gefundenen Materialien hätten zur Herstellung leistungsstarker Sprengsätze verwendet werden können. Zu den Funden gehörte Ammoniumnitrat – ein Stoff, der wiederholt bei der Herstellung improvisierter Sprengsätze eingesetzt wurde.

Besondere Aufmerksamkeit der Polizei erregte ein 32-jähriger Palästinenser, der zusammen mit seiner Frau und seinem Kind auf der Insel lebte. Gerade ihn bringen die Behörden mit den Räumen in Verbindung, in denen die Chemikalien entdeckt wurden. Darüber hinaus wurde ein Teil der Komponenten nach Angaben der Ermittler legal auf dem zyprischen Markt erworben.

Allein dieser Umstand wirft eine Frage auf: Wie leicht können derartige Materialien in die Hände von Menschen mit kriminellen Absichten gelangen?

Die Spur nach Malaysia

Doch die eigentliche Wendung ergab sich nach der Festnahme eines 37-jährigen Verdächtigen auf Kreta.

Nach Angaben der Ermittler gestand er, im August vergangenen Jahres gemeinsam mit einem der auf Zypern Festgenommenen in einem Hamas-Lager in Malaysia eine Ausbildung absolviert zu haben. Dort seien sie angeblich in der Herstellung von Sprengsätzen und im Umgang mit chemischen Komponenten geschult worden.

Als Schlüsselfigur der Ermittlungen gilt ein 38-jähriger Mann, der nach Informationen zyprischer Medien vor nur wenigen Monaten illegal über den Norden Zyperns (TRNZ) auf die Insel gelangt sein soll. Die Ermittler vermuten, dass gerade er für die Ausbildung der Gruppe, die Herstellung des Sprengstoffs und die Auswahl möglicher Ziele verantwortlich war.

Im Grunde geht es längst nicht mehr um eine lokale Geschichte, sondern um ein internationales Netzwerk, dessen Elemente in mehreren Ländern zugleich auftauchten.

Die unbequemste Frage

Doch am meisten diskutieren die Zyprer heute nicht über Chemikalien oder mutmaßliche Verbindungen zu Terroristen.

Das Hauptthema der Gespräche ist einer der Festgenommenen, der seit etwa vierzig Jahren auf der Insel lebt und die zyprische Staatsbürgerschaft besitzt.

Es stellte sich heraus, dass seine Kinder in den Sicherheitsstrukturen der Republik Zypern arbeiten. Einer dient bei der Polizei und hat Zugriff auf staatliche Datenbanken, drei weitere leisten Dienst in der Nationalgarde.

Bisher betonen die Behörden, dass es keine Hinweise auf eine Beteiligung der Kinder an den Aktivitäten des Verdächtigen gebe. Mehr noch: Ihre dienstliche Reputation sei unauffällig.

Dennoch hat die Situation eine heftige öffentliche Debatte ausgelöst.

Wo verläuft die Grenze zwischen Integration und Sicherheitsrisiken? Reichen die bestehenden Überprüfungen für Angehörige der Sicherheitskräfte aus? Und sind die Geheimdienste in der Lage, Anzeichen von Radikalisierung rechtzeitig zu erkennen, selbst bei Menschen, die seit Jahrzehnten auf der Insel leben?

Diese Fragen werden heute deutlich intensiver diskutiert als die Details des eigentlichen Strafverfahrens.

Zypern steht nicht mehr abseits

Lange Zeit wurde Zypern als ruhige Insel an der Peripherie großer Konflikte wahrgenommen. Doch die Geografie spricht eine andere Sprache. Nur wenige hundert Kilometer trennen sie vom Nahen Osten – einer Region, die seit vielen Jahren zu den instabilsten der Welt gehört.

Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas im Herbst 2023 hat sich die Rolle Zyperns spürbar verändert. Über die Insel liefen humanitäre Routen, rund um israelische Einrichtungen wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, und die Geheimdienste warnten regelmäßig vor erhöhten Risiken.

Nun haben diese Warnungen eine sehr konkrete Bestätigung erhalten.

Die Ermittler gehen davon aus, mögliche Anschläge bereits in der Vorbereitungsphase verhindert zu haben. Sollte sich diese Version vor Gericht bestätigen, dann ließe sich sagen, dass Zypern nicht nur Zeuge des Nahostkonflikts war, sondern zu einem der Orte wurde, an denen seine Schatten bereits angekommen sind.

Gerade deshalb sorgt die aktuelle Untersuchung für so große Resonanz. Es ist nicht mehr die Geschichte von ein paar Festgenommenen. Es ist die Geschichte darüber, wie sehr sich die Welt um Zypern verändert hat – und wie gut die Insel selbst auf neue Bedrohungen vorbereitet ist, die nicht mit Booten oder Flugzeugen kommen, sondern über Netzwerke, Verbindungen und radikale Ideen.

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