Miete frisst Gehälter auf: Wohnen ist zur größten finanziellen Belastung in der EU geworden
Wohnungskosten bleiben der größte Ausgabenposten für Haushalte in der Europäischen Union, wie Daten von Eurostat zeigen. Im Durchschnitt entfallen 23,6% aller Ausgaben der Europäer auf Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Nebenkosten, während das Mieten in Großstädten immer unerschwinglicher wird.
Besonders schwierig ist die Situation für Arbeitnehmer mit Mindestlohn. Nach einer Analyse des Europäischen Gewerkschaftsbundes, die auf EU-Daten basiert, übersteigen die Mietkosten für eine Zweizimmerwohnung in den meisten Hauptstädten Europas die Bruttomindestlöhne.
In einigen Städten ist das Mieten ohne zusätzliche Einkünfte praktisch unmöglich. Die komplizierteste Situation wurde in Prag verzeichnet, wo die Miete 185% des Mindestlohns erreicht. In Lissabon liegt dieser Wert bei 168%. Mehr als 150% des Gehalts fließt auch in Budapest, Bratislava, Sofia, Athen und Riga in den Wohnraum.
In vielen europäischen Hauptstädten übersteigt die Miete 100% des Mindesteinkommens — darunter Paris, Madrid, Warschau, Dublin, Tallinn und andere Städte. In Paris beispielsweise beträgt die Durchschnittsmiete 2523 Euro bei einem Mindestlohn von 1823 Euro, und in Madrid 1721 Euro gegenüber 1381 Euro.
Nur wenige Hauptstädte bleiben für Arbeitnehmer mit Mindesteinkommen erschwinglicher. In Brüssel entspricht die Miete 70% des Mindestlohns, in Berlin 76%. Eine vergleichsweise geringere Belastung wurde auch in Nikosia (85%) und Luxemburg (87%) verzeichnet.
Vertreter des Europäischen Gewerkschaftsbundes warnen, dass die Kluft zwischen Einkommen und Wohnkosten untragbar wird und Arbeitnehmer in finanzielle Schwierigkeiten treibt. Ihnen zufolge mindert der Anstieg der Wohnkosten zusammen mit den gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreisen die Lebensqualität und schränkt die Möglichkeit zur Ersparnisbildung ein.
Auf Länderebene sieht die Situation etwas besser aus, dennoch „frisst“ die Miete einen erheblichen Teil der Einkommen auf. Je nach Staat fließen zwischen 33% und 61% des Mindestlohns in die Wohnkosten. In Polen liegt dieser Wert beispielsweise bei 33%, in Frankreich bei rund 38% und in Spanien bei 48%.
Experten weisen darauf hin, dass gerade die Wohnungsmärkte der Hauptstädte zu einem Schlüsselfaktor für sozialen Druck in Europa werden, indem sie die Ungleichheit verstärken und das Leben in Großstädten immer unerschwinglicher machen.

